21. August 2025

Die Schweiz zeigt bei Immobilienversteigerungen ein klares regionales Profil: südliche Kantone liefern viel Deal-Flow, urbane Zentren bieten hohe Werthaltigkeit, kleinere Kantone punkten pro Kopf. 2024 wurden 610 Zwangsversteigerungen angesetzt (Volumen ca. 671 Mio. CHF), mit saisonalen Hochpunkten im Juni und Oktober. 2023 lag die Aktivität bei 644 Verfahren (Volumen ca. 561 Mio. CHF), 2022 bei 622, 2021 bei 854. In allen Jahren dominierten Wohnhäuser und Eigentumswohnungen den Losmix.
„Versteigerungskultur“ heisst in der Schweiz: gleiches Recht, unterschiedliche Märkte. Wer regional denkt, steigert seine Zuschlagschancen.
Lugano/Tessin steht sinnbildlich für hohe Aktivität: TI führt 2024 die Kantonsrangliste sowohl absolut (114 Verfahren) als auch pro 100’000 Einwohner (32.6) an – ein Muster, das bereits 2022/2023 sichtbar war. Basel ist die Gegenfolie: BS verzeichnete deutlich weniger Termine, BL bewegt sich im Mittelfeld. Für Bieter heisst das: In TI mehr Auswahl und oft heterogene Objekte, in BS/BL kleinere Felder, aber engere Preisanker.
| Cluster | Kantone (Auswahl) | Losmix & Dynamik | Praxis-Tipp |
|---|---|---|---|
| Süd & Südwest (hoher Deal-Flow) | TI, VD, VS | Viele Wohnhäuser/ETW, regelmäßige Terminwellen; per Kopf führend (TI). | Standardisierte DD-Checkliste; Alternativobjekte für denselben Terminblock planen. |
| Urbane Kernräume (qualitativ stark) | ZH, GE, ZG, BS | Weniger Lose je Einwohner; ETW-Ø teils hoch, Häuser in ZH/VD historisch stark. | Selektiv bieten, Exit-Qualität und Mikrolage höher gewichten als den Discount. |
| Mittelland & Nordwest | BE, SO, AG, BL | Stabile Pipeline, breite Preisbänder; 2024 war SO im oberen Feld der Aktivität. | Frühe Finanzierungs- und Sicherheitsleistungs-Clearance; mehrere Besichtigungen nutzen. |
| Alpine & Ostschweiz | GR, GL, SG, TG | Heterogener Mix; GR/GL pro Kopf teils vorn; ETW-Ø schwankt je Jahr stark. | Mikrolage und Erschliessung doppelt prüfen; Residualwert- statt reiner Vergleichslogik. |
In allen Jahren zeigt sich eine wiederkehrende Rhythmik: Frühjahr (Mai/Juni) und Herbst (Oktober/November) sind lebhaft, Sommer (Juli/August) ruhiger. 2024 markierte der Juni den volumetrischen Höchstwert (≈102 Mio. CHF). Für Bieter bedeutet das: Aktenlage und Finanzierung bis Frühling finalisieren, in Peak-Monaten parallel mehrere Dossiers führen.
Schweizweit stellen Wohnhäuser und Eigentumswohnungen die Mehrheit (≈ 64–75 % je Jahr). Südliche Kantone liefern die meisten absoluten Lose, während städtische Zentren trotz hoher Vermögensdichte pro Einwohner weniger Termine verzeichnen. Daraus leitet sich eine „Kultur“ ab: Deal-Flow-Regionen (z. B. TI, VD, VS) sind Suchfelder für operative Käufer, Premiumregionen (ZH, GE, ZG) eignen sich für wertorientierte Strategien.
Die kantonalen Durchschnittswerte wechseln je Jahr – auch wegen kleiner Fallzahlen. 2023 lagen ETW-Ø u. a. in ZH und GE vorn; Häuser-Ø führten VD und ZH an. 2022 waren ETW in GE, SZ, ZG am teuersten; Häuser-Ø führten GR und LU an. 2021 lagen ETW-Ø in NW, UR, GR vorn; Häuser-Ø in BS und ZH. Konsequenz: Benchmarks nutzen – aber stets um Mikrolage, Capex und Rechtslage adjustieren.
// Regionaler Adjuster (Praxisformel)
Adj_Wert = Verkehrswert
+ Mikrolage_Faktor (−10 % bis +20 %)
− Capex_detail (Hülle/Haustechnik/Brandschutz)
+ Miethebel (Indexierung/Marktmiete im Kanton)
Sie zeigen seit Jahren hohe absolute und pro-Kopf-Zahlen – getrieben durch breiten Losmix und regelmässige Terminwellen.
Chancen ja – aber anders gelagert: kleinere per-Kopf-Quoten, dafür hohe Exit-Liquidität und oft stärkere Mikrolagenunterschiede.
Sie schwanken, weil Fallzahlen je Kategorie klein sein können. Daher Durchschnittswerte stets mit DD und Lagefaktoren ergänzen.
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