30. Juni 2025
Die „Leuchtenstadt“ ist bekannt für Kapellbrücke, Tourismus-Magnetismus und stabile Wohnnachfrage, doch kaum jemand weiss, dass Zwangsversteigerungen in Luzern seit einigen Jahren zu den diskretesten, aber profitabelsten Kaufkanälen der Schweiz gehören. Obwohl das Betreibungsamt 2023 nur 10 offiziell publizierte Auktionen meldete (≈ 2,4 Fälle je 100 000 EW), zieht die durchschnittliche Objektqualität weite Kreise von Investorinnen nach sich.
Jahr | ZVGs Luzern | ZVGs Schweiz gesamt |
---|---|---|
2021 | 13 | 854 |
2022 | 9 | 622 |
2023 | 10 | 644 |
2024* | ≈ 12 - 14 | 610 |
*Grafik „Zwangsversteigerungen 2024 nach Kanton“
Dass Luzern beim absoluten Aufkommen unter dem Radar bleibt, bedeutet weniger Mitbieter und damit höhere Abschläge: Im Schweizer Durchschnitt starten Gebote bei 70 % des Verkehrswerts, in Luzern reichen wegen geringer Konkurrenz oft 65 %.
Der durchschnittliche Verkehrswert einer Luzerner Eigentumswohnung lag 2023 bei ≈ 826 000 CHF und damit über dem nationalen Mittel von 742 000 CHF. Wird das Objekt im Erstaufruf zu 70 % aufgerufen, beginnt das Biet-Fenster bereits bei rund 578 000 CHF, für City-Lagen wie Tribschen oder Neustadt ein äusserst kompetitives Preisniveau.
Noch eindrücklicher ist der Sprung bei Ein- und Mehrfamilienhäusern: 2022 notierten Luzerner Wohnhäuser im Schnitt bei ≈ 2,12 Mio. CHF und belegten damit Platz 2 hinter Graubünden. Selbst ein Zuschlag nur 15 % unter Verkehrswert spart damit über 300 000 CHF Kapital, eine Marge, die am klassischen Inseratemarkt kaum zu erzielen ist.
Während in Zürich zwar mehr Objekte unter den Hammer kommen (32 in 2024), drückt die hohe Bieterzahl die Abschlagschancen. In der Waadt wiederum liegen die Objektwerte (Ø Wohnhaus 2023: 2,21 Mio. CHF) noch über Luzern, die Nachfrage nach Luxus-Ferienwohnen treibt jedoch den Zuschlag in die Höhe. Luzern positioniert sich damit zwischen beiden Extremen, hochwertig, aber noch nicht überlaufen.
Obwohl Luzern im Kantonsranking der Zwangsversteigerungen nur in den hinteren Reihen auftaucht, macht gerade diese Diskretion den Markt so spannend: hohe Verkehrswerte, verlässliche Mietnachfrage und vergleichsweise wenige Bieter schaffen ein ideales Terrain für Schnäppchen mit Premium-Charakter. Wer Prozesse, Finanzierung und Termine im Griff hat, kann sich 2025 erste-Reihe-Lagen entlang des Vierwaldstättersees zu Mittelklassepreisen sichern, ein Privileg, das klassische Inserate schon lange nicht mehr bieten.