18. Juni 2025
Zwangsversteigerungen haben den Ruf, günstige Einstiegspreise zu bieten, doch ein tiefer Hammerpreis garantiert weder Rendite noch ruhigen Schlaf. Ob sich ein Engagement tatsächlich auszahlt, hängt von einer Reihe objektiver und subjektiver Faktoren ab. Dieser Leitfaden hilft dir, die Wichtigsten zu beurteilen, bevor du die Hand hebst, und zeigt dir ebenso klar auf, wann das Risiko die Chancen überwiegt.
«Wer den 20-Tage-Countdown nicht finanzieren kann, sollte gar nicht erst mitbieten.»
Frist | Cash-Anforderung | Risiko bei Nichterfüllung |
---|---|---|
Zuschlagstag | 10 % Sicherheitsleistung (Schätzwert) | Verfall + Verfahrenskosten |
+ 20 Kalendertage | Restkaufpreis + Nebenkosten ≈ 3-5 % | Zuschlag aufgehoben, Konventionalstrafe |
+ 6 Monate | Sanierungspuffer ≥ 15 % | Zwischenfinanzierung, stillstehendes Kapital |
Lohnt sich der Kauf? Ja, wenn
• Zwischenkredit unterschrieben
• Eigenmittelquote ≥ 20 % (FINMA)
• Reserven für Zinsanstieg + Überraschungskosten vorhanden.
Lohnen sich rote Fälle? Nur wenn
• Hammerpreis mindestens 40 % unter Marktwert liegt und
• du umfängliche Bau- und Zeitressourcen hast.
Kaufverzicht: Hohe Leerstandsquote + stagnierender Arbeitsmarkt → Exit schwierig, Cashflow wacklig.
Finger weg, wenn …
• Nutzniessung lebenslang
• Baurecht 1. Rang ≤ 40 J. Restlaufzeit
• Altlasten «sanierungsbedürftig» ohne Kostenschätzung.
Investor-Profil | Geeignete Objekte | Besser meiden |
---|---|---|
„Flipper“ (kurzfristig) | Wohnungen mit kosmetischem Bedarf | Kernsanierung + Langzeitmieter |
Cashflow-Jäger | MFH 3-8 Einheiten, Wachstumsgemeinde | Einzelhaus in Randlage |
DIY-Sanierer | EFH 70er-Jahre, gute Substanz | Denkmalschutzobjekte |
1. Erreicht das Projekt selbst im «+15 % Kosten»-Szenario deine
Mindest-Rendite?
2. Kannst du binnen 20 Tagen liquid sein?
3. Ist die Sanierung technisch und zeitlich beherrschbar?
4. Passt das Objekt zu deiner Strategie & Zeitkapazität?
5. Sind alle rechtlichen Risiken (Lasten, Mietverträge) transparent?
Haus A (ZH-Unterland): Baujahr 2002, leichte Kosmetik, Leerstand 0,7 %. → Zuschlag 1,05 Mio. → Rendite 4,2 % p. a. Haus B (FR-Land): Baujahr 1965, Altlastenverdacht, Leerstand 3 %. → Zuschlag 0,85 Mio. → Sanierung 0,35 Mio. = Rendite 1,1 % p. a. Ergebnis: Haus A trotz höherem Preis profitabler, Haus B vom Profi verworfen.
Ob sich eine Zwangsversteigerung lohnt, entscheidet nicht der Tiefstpreis, sondern das Gesamtkonzept aus Liquidität, Sanierung, Lage und Rechtsklarheit. Wer nüchtern prüft, realistisch kalkuliert und seine eigene Strategie kennt, greift zu, alle anderen lassen lieber den Hammer fallen, bevor er zur Kostenkeule wird.