29. Juli 2025
Wer Zwangsversteigerungen in der Schweiz strategisch nutzt, kommt am Tessin (TI) kaum vorbei. Der Südkanton führt die Ranglisten seit Jahren an – sowohl nach absoluter Zahl als auch pro Kopf. 2024 wurden hier 114 Versteigerungen registriert und zugleich die höchste Quote pro 100’000 Einwohner gemessen (32.6). 2023 lag der Kanton mit 135 Terminen vorne (Quote: 38.2), 2022 mit 146 (Quote: 41.3) und 2021 mit 154 (Quote: 77.6). Diese Konstanz macht das Tessin zum planbaren Hotspot für renditeorientierte Käufer.
Im Vergleich zeigt sich: Auch Waadt (VD), Wallis (VS) und Bern (BE) weisen überdurchschnittliche Aktivität auf, doch das Tessin setzt seit 2021 den Ton. Städte-Kantone wie Zürich (ZH) und Genf (GE) liegen in der Pro-Kopf-Betrachtung naturgemäss zurück – trotz teils hoher absoluter Werte.
Jahr | Tessin: Termine (absolut) | Tessin: ZVG je 100’000 Ew. | Schweizweite Besonderheiten |
---|---|---|---|
2024 | 114 | 32.6 | Gesamtvolumen der Zwangsversteigerungen rund 671 Mio. CHF; Spitzenmonate Juni & Oktober. |
2023 | 135 | 38.2 | Jahresvolumen rund 561 Mio. CHF; Spitzenmonate März & Juni. |
2022 | 146 | 41.3 | Jahresvolumen rund 744 Mio. CHF; hohe Aktivität im Herbst. |
2021 | 154 | 77.6 | Jahresvolumen rund 904 Mio. CHF; Spitzenmonate Mai & Juni. |
Die Daten zeigen: Wer regelmässig im Tessin mitbietet, findet verlässlich ein grosses Angebot – und profitiert von saisonalen Ruhephasen im Sommer.
Die Angebotsstruktur im Tessin folgt dem Schweizer Muster: Eigentumswohnungen und Wohnhäuser stellen den Grossteil der Versteigerungen. 2024 machten diese Kategorien landesweit rund 75 % aller Fälle aus; 2023 waren es etwa zwei Drittel. Für Käufer heisst das: ein breites Feld von Ferienwohnungen bis hin zu Einfamilienhäusern – ideal für unterschiedliche Rendite- und Nutzungsstrategien.
Auf der Preisebene ist die Spreizung je Objekttyp relevant: 2024 waren Villen schweizweit mit Ø 3.92 Mio. CHF die teuerste Kategorie (2023: Ø 5.1 Mio. CHF). Wohn-/Geschäftshäuser lagen 2024 bei Ø 1.82 Mio. CHF, Mehrfamilienhäuser bei Ø 1.59 Mio. CHF. Für investierende Käufer bedeutet das: Premium-Segmente bleiben werthaltig, gleichzeitig eröffnen Wohnungen und klassische Wohnhäuser attraktive Einstiegspunkte.
Eigentumswohnungen im Tessin (TI) profitieren von der touristischen Nachfrage. In der Versteigerung lassen sich Objekte mit marktgerechten Verkehrswerten identifizieren; die Bandbreite reicht in allen Jahren schwerpunktmässig bis 1 Mio. CHF, mit Häufungen im Bereich bis 600 Tsd. CHF (CH-weit 2023). Wer die Vermietbarkeit prüft (Lage, Erschliessung, Bewirtschaftung), kann den Kaufpreishebel in laufende Erträge übersetzen.
Wohnhäuser sind in allen Jahren eine Kernkategorie. 2023 lag die Häufung der Verkehrswerte zwischen 400 Tsd. und 1.2 Mio. CHF. In Kombination mit moderaten Instandsetzungskosten ergibt sich im Tessiner Markt häufig ein vorteilhaftes Verhältnis aus Kapitaleinsatz, Bewirtschaftungssicherheit und Wertpotenzial.
Im oberen Segment (Villen, Wohn-/Geschäftshäuser) schwanken Durchschnittswerte stärker; 2024 lagen Villen-Ø unter dem Vorjahr. Für selektive Käufer mit klarem Sanierungs- oder Nutzungsplan lässt sich hier Value-Add heben – insbesondere, wenn die Lage Qualitätskriterien erfüllt (Ruhiglage, Aussicht, Anbindung).
Südliche Kantone prägen die Schweiz in der Zwangsversteigerungs-Statistik: Neben dem Tessin (TI) sind Waadt (VD) und Wallis (VS) regelmässig stark vertreten. Bemerkenswert sind zeitweise erhöhte Pro-Kopf-Raten in Jura (JU) und Glarus (GL), während die grossen Zentren Zürich (ZH) und Genf (GE) in dieser Betrachtung zurückfallen. Für naturnahes, alpines Freizeitvermögen bietet zudem Graubünden (GR) eine ergänzende Spielwiese – wenngleich mit volatileren Durchschnittswerten je nach Objektmix.
Kanton | Aktivität (aktuelle Tendenz) | Einordnung für Investoren |
---|---|---|
Tessin (TI) | Konstant führend (absolut & pro Kopf) | Hohe Angebotsdichte, breit von ETW bis Villa |
Waadt (VD) | Stets Top 3 (absolut) | Spannend für städtisch-geprägte Lagen und Seeufer |
Wallis (VS) | Regelmässig weit vorne | Ferienmärkte & Zweitwohnsitzprofile |
Jura (JU) / Glarus (GL) | Überdurchschnittliche Pro-Kopf-Raten | Nischen mit selektiver Tiefe |
Zürich (ZH) / Genf (GE) | Pro Kopf tiefer | Preisniveaus hoch; selektive Chancen |
Graubünden (GR) | Wechselhafte Muster | Chalets & Ferienwohnungen mit Lageprämie |
Faktor | Relevanz | Praxis-Tipp |
---|---|---|
Angebotsdichte | Hoch (führend in CH) | Monitoring nach Ortsteilen strukturieren; Filter für Objekttypen hinterlegen. |
Saisonalität | Deutlich | Sommer nutzen, um mit weniger Konkurrenz zu bieten. |
Objektmix | Breit (ETW, Wohnhäuser; Premium möglich) | Strategie nach Cashflow (ETW) vs. Wertsteigerung (Haus/Villa) ausrichten. |
Preisstruktur | Von Einstieg bis Premium | Obergrenzen strikt an Nettoerträgen und CAPEX ausrichten. |
Warum passiert im Tessin so viel? Eine Mischung aus Marktgrösse, aktiver Terminierung und hoher Zweitwohnungs-/Feriennachfrage sorgt für stetige Angebotszufuhr.
Gibt es die „eine“ beste Objektart? Nein. Wohnungen liefern oft planbaren Cashflow, Wohnhäuser Hebel über Zustand & Lage. Premium-Objekte erfordern disziplinierte Kalkulation.
Wann bieten? Termine kurz vor/nach der Ferienzeit sind oft ergiebig. Wer früh Akten anfordert und Besichtigungen nutzt, sichert sich Informationsvorsprung.
Das Tessin (TI) ist kein Zufallsfund, sondern eine stetige Quelle hochwertiger Zwangsversteigerungen – mit berechenbaren Zyklen, breitem Objektmix und klaren Preisankern über die betreibungsamtlichen Verkehrswerte. Im Vergleich zu Waadt (VD) und Wallis (VS) behauptet der Südkanton seine Führungsrolle seit Jahren. Wer Monitoring, Disziplin und saubere Due Diligence kombiniert, verwandelt die mediterrane Kulisse in verlässliche Rendite.