28. Juli 2025
Zwischen Engadin, Surselva und Prättigau zeigt sich der Zwangsversteigerungsmarkt von Graubünden (GR) als Nischenmarkt mit Profil: überschaubare Fallzahlen, ein ausgeprägter Ferienwohnungsanteil und deutliche Preisunterschiede je Mikrolage. Für Anleger, die Chalets, Hütten und Ferienwohnungen ertragsorientiert denken, entsteht daraus ein klarer Vorteil: mehr Zeit für Due Diligence, präzisere Kalkulationen – und selektive Abschläge zum Verkehrswert bei Objekten mit Handlungsbedarf.
Die Schweiz verzeichnete 2024 610 Zwangsversteigerungen, das Gesamtvolumen stieg auf rund 670,9 Mio. CHF; besonders viele neue Termine wurden im Juni und Oktober angesetzt. Wohnhäuser und Eigentumswohnungen stellten etwa 75 % aller Fälle.
2023 gab es landesweit 644 Versteigerungen; die Terminspitzen lagen im März und Juni. Eigentumswohnungen und Wohnhäuser kamen zusammen auf circa 68 %; das Volumen belief sich auf rund 560,7 Mio. CHF.
Für Graubünden (GR) sind vor allem die Preisniveaus je Objekttyp aufschlussreich: 2023 lagen Wohnhäuser im Durchschnitt bei rund 2,213 Mio. CHF, Eigentumswohnungen bei etwa 483 Tsd. CHF. 2022 markierten Wohnhäuser mit rund 2,456 Mio. CHF schweizweit den Spitzenwert, während Eigentumswohnungen bei rund 835 Tsd. CHF lagen. 2021 zeigte sich die typische Stichproben-Volatilität in alpinen Kantonen: sehr hohe Ø-Werte bei Eigentumswohnungen (rund 1,821 Mio. CHF) bei gleichzeitig niedrigen Ø-Werten bei Wohnhäusern (rund 233 Tsd. CHF).
Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | Kommentar |
---|---|---|---|---|
CH: Anzahl ZVG | 854 | 622 | 644 | Moderate Aktivität mit klarer Saisonalität (Frühsommer/Herbst). |
CH: Volumen (CHF) | ~904 Mio. | ~744 Mio. | ~561 Mio. | Rückgang 2022/2023, Aufschwung 2024 (siehe Text). |
GR: Ø Eigentumswohnung | ~1,821 Mio. | ~0,835 Mio. | ~0,483 Mio. | Alpine Premium-Lagen vs. kleine Stichproben erklären die Spreizung. |
GR: Ø Wohnhaus | ~0,233 Mio. | ~2,456 Mio. | ~2,213 Mio. | Starke Schwankungen durch Einzelfälle und seltene Großobjekte. |
Der Erfolg eines Chalets oder einer Ferienwohnung hängt in Graubünden an kleinen Distanzen: Gehminuten zur Bergbahn, Taktfrequenz des ÖV, Schneesicherheit und die Nähe zu Versorgung, Schulen und medizinischer Grundversorgung. Orte mit guter Anbindung an St. Gallen (SG) oder Richtung Zürich (ZH) punkten mit breiterer Nachfragebasis; zusätzlich ziehen klassische Zweitwohnungsdestinationen Kaufkraft aus Tessin (TI), Waadt (VD) und Wallis (VS) an.
Auf Kantonsebene zeigt sich ein klares Muster: neue Termine häufen sich im Frühsommer und Herbst (2024: Juni/Oktober; 2023: März/Juni). Für Investoren bedeutet das: Finanzierungslimiten und Objektprüfungen vorziehen, damit in Peak-Phasen handlungsfähig geboten werden kann.
In Graubünden gewinnt, wer Mikrolage, Technik und Ertragswert sauber in Zahlen übersetzt – der Verkehrswert ist Leitplanke, nicht Zielpreis.
// Rückwärtskalkulation (vereinfachtes Muster für Ferienobjekte)
Jahresnettomiete = Wochenmiete_peak * Wochen_peak + Wochenmiete_off * Wochen_off
Ertragswert = Jahresnettomiete / Diskontsatz
Capex = Hülle + Heizung + Innenausbau + Nebenkosten
Sicherheitsabschlag = 10%–20% (Mikrolage, Auslastungsrisiko)
MaxGebot = min(Ertragswert, Verkehrswert) - Capex - Sicherheitsabschlag
In der gesamtschweizerischen Betrachtung sind südliche Kantone wie Tessin (TI), Wallis (VS) und Waadt (VD) besonders aktiv; urbane Kantone wie Zürich (ZH) und Genf (GE) liegen pro Kopf naturgemäß weiter hinten. Für GR bedeutet das: weniger Wettbewerb im Bietsaal, dafür größere Preisspreizung je Lage – ein ideales Umfeld für selektive Strategien.
Region | Objekttyp | Ø Verkehrswert | Einordnung |
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Graubünden (GR) | Wohnhaus | ~2,213 Mio. CHF (2023) | Top-Niveau; seltene Großlos-Effekte möglich. |
Graubünden (GR) | Eigentumswohnung | ~0,483 Mio. CHF (2023) | Deutlich unter Haus-Niveau; gute Einstiegsobjekte. |
Wallis (VS), Tessin (TI), Waadt (VD) | alle | hohe Aktivität (CH-weit) | Ferien- & Zweitwohnungsnachfrage stützt Liquidität. |
Alpine Kantone haben kleine Stichproben – einzelne Hoch- oder Niedrigpreise verzerren. Daher mehrere Vergleichsobjekte und Ertragswerte heranziehen.
STWE in guten Mikrolagen mit klaren Reglementen und stabiler Nachfrage. Chalets mit planbarem Capex bieten Value-Add-Potenzial.
Vor Peak-Monaten Finanzierung finalisieren und Reserven für Capex + Gebühren einplanen; in ruhigeren Phasen erhöhen sich Chancen auf disziplinierte Zuschläge.
Wer Mikrolagen präzise bewertet, technische Hebel konsequent nutzt und das Bieten an Ertragswerten ausrichtet, kann in Graubünden (GR) aus Zwangsversteigerungen tragfähige Investments formen – vom gemütlichen Chalet über die einfache Hütte bis zur marktfähigen Ferienwohnung. Die Daten der Jahre 2021–2024 zeigen: Der Markt ist klein, aber werthaltig – ideal für Investoren mit Plan.